Sonnenburg in St. Lorenzen

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Sonnenburg



St. Lorenzen im Pustertal



St. Lorenzen


Die Gegend von St. Lorenzen / San Lorenzo di Sebato im Pustertal war bereits in der Steinzeit besiedelt. Archäologische Funda
stammen zum Beispiel von dem Hügel, auf dem die Sonnenburg steht, vom Sonnenburger Kopf, dem Terner Bühel bei Pflaurenz,
dem Burgkofel von Lothen und dem Burgstall bei Runggen. Über die Römerzeit informiert das ➤ Museum Mansio Sebatum,
vor dem ein römischer Meilenstein steht. Der Ort besaß möglicherweise bereits um 800 Marktrechte. Zu der im Mittelalter
nachweisbaren Urpfarre St. Lorenzen gehörte bis 1611 Bruneck. Montal, Ellen und Onach wurden 1928 Ortsteile der
Marktgemeinde. Stefansdorf, Moos, St. Martin, Pflaurenz, Sonnenburg, Fassing und Lothen gehören ebenfalls dazu.


St. Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2014 St. Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2014

St. Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2014 St. Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2014

Blick von der Sonnenburg auf St. Lorenzen und den Kronplatz (2275 m)


Zu Beginn der Tiroler Befreiungskriege empfahlen sich die von Ende Mai bis Anfang Juli 1796 in Bozen tagenden Tiroler Landstände
dem »Heiligsten Herzen Jesu«. Als die Tiroler den Angriff Napoleons – damals Oberbefehlshaber der französischen
Truppen in Oberitalien – zunächst erfolgreich abwehrten, wurde der Herz-Jesu-Sonntag zum hohen Feiertag ausgerufen.
(1805 musste Tirol dann doch an das mit Frankreich verbündete Bayern abgetreten werden.) Seit damals werden in Tirol jeweils am
dritten Sonntag nach Pfingsten Herz-Jesu-Feuer entzündet. Am 10. Juni 2018 sahen wir einige der Feuer von der Sonnenburg aus.


© Dieter Wunderlich 2018 © Dieter Wunderlich 2018

Herz-Jesu-Feuer am Sonnenburger Kopf und in St. Lorenzen (10. Juni 2018)


Kirche zum hl. Laurentius in St. Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2006

Pfarrkirche zum hl. Laurentius in St. Lorenzen

Die Pfarrkirche zum hl. Laurentius zählt zu den ältesten Kirchen im Pustertal.
Ihre Geschichte geht bis in die Zeit um 400 zurück, und im 11. Jahrhundert wurde sie urkundlich erwähnt.
Der kleinere Turm entstand vermutlich im 13. Jahrhundert.
Am 1454 fertiggestellten gotischen Turm ist eine Uhr aus dem Jahr 1541 zu sehen.


St. Lorenzen: Pfarrhaus - © Dieter Wunderlich 2016 St. Lorenzen: Pfarrkirche - © Dieter Wunderlich 2013 St. Lorenzen: Pfleghaus der Michelsburg - © Dieter Wunderlich 2016

Pfarrhaus, Pfarrkirche, ehemaliges Pfleghaus der Michelsburg


Kirche zum hl. Laurentius in St. Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2016 Kirche zum hl. Laurentius in St. Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2016 Kirche zum hl. Laurentius: Madonna von Michael Pacher - © Dieter Wunderlich 2016

Kirche zum hl. Laurentius: barocke Kanzel - © Dieter Wunderlich 2016 Kirche zum hl. Laurentius in St. Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2016

Pfarrkirche zum hl. Laurentius: Chorraum, Madonna von Michael Pacher, Kanzel, Figuren

Der Chorraum der Pfarrkirche zum hl. Laurentius wurde 1995 neu gestaltet. Dabei wurden ein Kreuz, eine Marienfigur
und ein von der Bozener Künstlerin Maria Delago geformter Tabernakelschrein aufgestellt.
Während über die gotische Marienfigur im Chorraum nichts weiter bekannt ist, wissen wir, dass die Madonna
mit dem Jesuskind aus einem um 1460 von dem Brunecker Bildhauer Michael Pacher geschnitzten Flügelaltar stammt.
Die barocke Kanzel aus dem Jahr 1692 befand sich ursprünglich in der Stiftskirche des Klosters Sonnenburg.
Die etwa 40 Zentimeter großen vergoldeten Figuren stellen die Kirchenlehrer Augustinus, Gregor, Hieronymus, Ambrosius dar.


St. Lorenzen: Egererkapelle - © Dieter Wunderlich 2016 St. Lorenzen: Egererkapelle - © Dieter Wunderlich 2016 St. Lorenzen: Egererkapelle - © Dieter Wunderlich 2016

Pfarrkirche zum hl. Laurentius: Egererkapelle

Die von der Familie Egerer gestiftete Kapelle wurde 2001 renoviert.


St. Lorenzen: Erntedankfest - © Dieter Wunderlich 2016 St. Lorenzen: Erntedankfest - © Dieter Wunderlich 2016

Veranstaltung auf dem Dorfplatz zum Erntedankfest (18. September 2016)

 


Sagenweg St. Lorenzen


Zehn bis zwölf Jahre alte Schülerinnen und Schüler der Klasse 5A der Grundschule von St. Lorenzen ließen sich im Frühjahr 2017 von
Peter Ausserdorfer dazu anregen, unter der Anleitung der Lehrerin Luisa Kirchler Engl Bilder über zehn örtliche Sagen zu malen.
Kopien der Originale wurden als Schautafeln entlang eines drei Kilometer langen Rundwegs aufgestellt.
Die Rahmen schuf der Künstler Kurt Wierer.


Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018 Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018

Tafel 1

Alma Biadene: Die große Glocke von St. Lorenzen
Als man die große Glocke der Kirche von St. Lorenzen, mit der die Bevölkerung vor aufziehenden Unwettern
gewarnt worden war, nach Bruneck bringen wollte, reichten sechs Pferde nicht aus, um den Wagen mit der Glocke
zu ziehen – und so ist sie bis heute in St. Lorenzen geblieben.


Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018 Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018 Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018

Tafeln 2 bis 4

Noel Kerschbaumer: Das Sonnenburger Weibele
Ein Wanderer kam während eines Unwetters zur Sonnenburg und traf dort auf eine verzauberte Alte, die von ihm erlöst
werden wollte. Dazu brauche er nur schweigend im großen Saal zu nächtigen, erklärte sie. Der Mann hielt sich daran,
obwohl es spukte. Aber als seine verstorbene Mutter auftauchte und von anderen Geistern gejagt wurde, sprang er
schreiend auf. Deshalb musste das Sonnenburger Weibele weitere hundert Jahre auf Erlösung warten.

Leonie Götsch: Der Geist auf der Sonnenburg
Als sich die Sonnenburger Äbtissin ➤ Verena von Stuben dem Bischof von Brixen widersetzte, ließ dieser sie und die Nonnen
vertreiben. Eine von ihnen versteckte sich jedoch im Keller, wo sie schließlich verhungerte. Seither geht ihr Geist um.

Lena Leitner: Die Muttergottes von Saalen
Auf dem Rinderbühel in Saalen fand ein pflügender Bauer das Bild einer schwarzen Madonna und nahm es mit nach Hause,
aber in der Nacht flog es auf den Acker zurück. Daraufhin ließ der Pfarrer Benedikt Achmüller von St. Lorenzen
über der Fundstelle 1652 eine Wallfahrtskirche errichten.


Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018 Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018 Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018

Tafeln 5 bis 7

Gabriel Kirchler: Die Muttergottes von Saalen
In einer Variante der Legende heißt es, man habe zunächst versucht, die Wallfahrtskirche in Montal zu bauen. Erst als sich die
Zimmerleute immer wieder verletzten und Vögel blutgetränkte Hobelspäne nach Saalen trugen, änderte man die Pläne.

Martin Forer: Der Kienberger Riese
Ein böser, auf dem Kienberg bei Ehrenburg hausender Riese, warf Felsen ins Marbachtal,
bis die Gader ihren Lauf änderte und bei Pflaurenz in die Rienz mündete.

Georg Steger: Das Knappenloch
In einem Knappenloch bei St. Lorenzen fanden Hirtenjungen bunte Steine und steckten sie ein. Da tauchte ein Männlein auf
und bot ihnen im Austausch gegen die glitzernden Beute graue Steine an. Sie wagten es nicht, sich zu widersetzen –
und stellten zu Hause fest, dass sich die wertlos aussehenden Steine in Goldstücke verwandelt hatten.


Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018 Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018 Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018

Tafeln 8 bis 10

Anna Auer: Die Sonntagsspieler
In St. Lorenzen lebten einige Männer, die ihr Geld im Wirtshaus verbrauchten, statt sonntags zum Gottesdienst zu gehen.
Als ihnen das verboten wurde, zogen sie sich während der Messe in ein Knappenloch zurück und spielten dort Karten –
bis die Höhle einstürzte und sie begrub.

Anas Guirane: Das goldene Kalb
Soldaten überfielen einst die Burg der Raubritter auf dem Burgkofel in Lothen. Aber die dort vermuteten Schätze fanden sie nicht,
denn die hatte man rechtzeitig im Ziehbrunnen versenkt. Es heißt, dass dazu ein goldenes Kalb gehört habe.

Jana Elzenbaumer und Fiolla Husem: Die Schwefelquelle
Der Badwirt im Bad Ramwald oberhalb von Montal tischte seinen Gästen immer wieder Lügen über seine Nachbarn auf,
mit denen der böse Mann im Streit lebte. Auch einen Pfarrer aus Onach verunglimpfte er –
bis sich der Boden auftat, ihn verschlang und eine Schwefelquelle zu sprudeln begann.


Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018

Tafel 10


Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018 Sagenweg St Lorenzen - © Dieter Wunderlich 2018

Aussicht vom Sagenweg St. Lorenzen

 


Mansio Sebatum


Der Hügel der Sonnenburg war bereits in der Jungsteinzeit vor mehr als 4000 Jahren besiedelt. In der Bronzezeit (2200 – 1000 v. Chr.)
nahm die Siedlungsdichte im Pustertal zu, und in der jüngeren Eisenzeit (500 – 15 v. Chr.) beherrschten die Saevaten
(lateinisch: Saevates), ein zum Königreich Noricum gehörender Stamm der Kelten, das Gebiet im Pustertal.

An der Römerstraße von Aquileia nach Veldidena (bei Innsbruck) gründeten die Saevaten eine Station mit dem Namen Sebatum.
Dabei handelte es sich um eine mansio, eine große Rast-, Post- und Pferdewechsel-Station, die über eine Herberge und ein Bad
für die Reisenden verfügte. Das Wort Mansio geht auf das lateinische Verb manere (bleiben) zurück. Zur Mansio gehörten
der Amtsraum des Vorstehers (manceps), die Wohnräume für das Personal (familia), Ställe und Schuppen, Werkstätten und eine
Schmiede. Einheimische Landwirte und Handwerker, die sich im Umkreis niederließen, boten ihre Erzeugnisse auf dem Markt an.

Mansiones gab es an den Römerstraßen im Abstand von Tagesreisen (durchschnittlich 40 km). Dazwischen, etwa alle 17 Kilometer,
trafen die Reisenden auf kleinere Herbergen, wo sie die Pferde wechseln konnten. Diese hießen mutatio. Die Einrichtung nach dem
Vorbild der persischen Königsstraße zwischen Sardeis und Susa geht auf die Neuorganisation der cura viarum durch Augustus zurück.

Aus Sebatum ging schließlich die Marktgemeinde St. Lorenzen hervor. Im Italienischen heißt der Ort deshalb San Lorenzo di Sebato.


Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016 Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016

Frauenkörpergrab 65 / Kamm aus dem Körpergrab 73 – beide Gräber: Ende 4. / Anfang 5. Jahrhundert

Bis ins 2. Jahrhundert wurden Tote meistens kremiert. Dann begann sich die Körperbestattung durchzusetzen.
Auf dem Flur Pichlwiese fand man ein 600 Jahre lang von Sebatum genutztes Gräberfeld mit 84 Bestattungen:
Urnengräber aus dem 1. bis 3. Jahrhundert und jüngere Beerdigungen aus dem 3. bis 6. Jahrhundert.

Der Tiroler Historiker, Latinist und Bibliothekar Anton Roschmann (1694 – 1760), der 1724 über den Fund einer Grabkammer
in den Wiesen zwischen St. Lorenzen und Bruneck berichtete, hielt St. Lorenzen fälschlicherweise für das römische Littamum.
Theodor Mommsen (1817 – 1903) entschlüsselte 1873 die Inschrift auf dem römischen Meilenstein (miliario romano),
aus dem Jahr 218, der 1857 beim Abtragen einer Feldmauer unterhalb des Ansitzes Hebenstreit in Sonnenburg entdeckt worden war
(und heute vor dem Museum Mansio Sebatum in St. Lorenzen steht). Die entscheidende Stelle lautet: »AB AG MP LVI«.
Damit wird die Entfernung von Aguntum (»AG«) mit LVI = 56 Meilen (»MP«, mille passus) angegeben, was
etwa 83 Kilometern entspricht. (Die Ruinen von Aguntum befinden sich in der Nähe von Lienz am östlichen Ende des Pustertals.)
Aufgrund dieser richtigen Deutung lokalisierte Theodor Mommsen das im Itinerarium Antonini erwähnte Sebatum
in St. Lorenzen. (Zuvor hatte man es bei Schabs im Eisacktal vermutet.)

1934 begann der Bau der neuen Pustertalerstraße. Dabei entdeckte man Mauerreste, die der Archäologe Giovanni Battista Brusin
(1883 – 1976) aus Padua 1938 bis 1940 systematisch untersuchte. Es handelte sich um Teile der Mansio Sebatum und einer
dazugehörigen Markthalle. In den frühen Achtzigerjahren führte das Bodendenkmalamt Bozen unter Leitung von Lorenzo Dal Ri
Grabungen in St. Lorenzen durch. Dabei wurden weitere Teile der römischen Siedlung Sebatum freigelegt.

Die Funde blieben der Öffentlichkeit unzugänglich, bis die Gemeinde St. Lorenzen am 30. März 2010 die Gründung eines
archäologischen Museums beschloss und am 24. September 2011 in drei Etagen des alten Rathauses am Dorfplatz das
Museum »Mansio Sebatum« mit Exponaten aus der Eisen- und Römerzeit eröffnete. Bei der inhaltlichen Führung
arbeitet der Museumsdirektor ➤ Peter Ausserdorfer mit dem 2009 gegründeten Archäologieverein Sebatum zusammen.


Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016 Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016

Innenarchitektur des Museums Mansio Sebatum in St. Lorenzen

Schon beim Betreten beeindruckt die sachlich-stilvolle Raumgestaltung (Innenausbau: Kurt Egger vom
Büro EM2 Architekten in Bruneck; Konzept und Einrichtung: Gruppe Gut, Werkstatt für Gestaltung in Bozen).
Das Museum Mansio Sebatum vermittelt Wissen über Fundstücke in Vitrinen, Rekonstruktionen, Modelle,
Dokumentationen von Grabungen, Wandtafeln in Deutsch, Italienisch und Englisch. Im Hintergrund sind Geräusche
beispielsweise wie einer antiken Schmiede zu hören. Außerdem können sich die Besucher Videos ansehen.

Das Museum in St. Lorenzen konzentriert sich auf die Mansio Sebatum von den Anfängen bis zum Niedergang. Die erste Etage
ist eisenzeitlichen Funden vom Stamm der Saevaten gewidmet. Im Stockwerk darüber veranschaulicht die Ausstellung das
Leben in der römischen Straßenstation (mansio) Sebatum. Auf der oberen Ebene dokumentieren Funde aus dem Gräberfeld
Pichlwiese zwischen St. Lorenzen und Bruneck den Totenkult zur Zeit des Zerfalls des römischen Verwaltungsbezirks Sebatum.
Zum Museum Mansio Sebatum gehört auch ein archäologischer Panoramaweg mit 16 Schautafeln auf dem Sonnenburger Kopf.


Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016 Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016

römisches Messer aus Eisen / Sieb aus Bronzeblech


Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016 Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016

Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016 Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016

Fibeln, Halsringe und andere Eisen-Gegenstände, 5. bis 1. Jh. v. Chr.
Die ausgestellten Funde aus eisenzeitlichen Werkstätten stammen vom Kronbühel bei St. Lorenzen.


Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016 Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016

Münzen


Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016 Museum Mansio Sebatum - © Dieter Wunderlich 2016

Vollplastisch gearbeiteter Bronze-Hahn aus der Römerzeit / Glasgefäß und -scherben


Sonnenburg und Pflaurenz




Fotoalben über die Sonnenburg



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